• Elena Marisa

Einfach anders leben...

Aktualisiert: Juli 16

Unser Leben auf einem 30 Fuß Segelboot


Ich werde so oft gefragt: Elena, wo soll das denn enden? Wie kannst du nur so leben? Ohne richtige Wohnung... Hast du keine Angst vor der Zukunft? Du bist selbstständig, was ist wenn du deinen Job verlierst?

Tja. Hätte mir jemand vor ein paar Jahren erzählt, dass ich eines Tages auf einem Segelboot lebe und hauptberuflich mit Social Media arbeite, hätte ich ihm ziemlich wahrscheinlich einen Vogel gezeigt.

Schließlich bin ich bis letztes Jahr noch nie gesegelt und hatte von Booten sowieso keine Ahnung - Bug, Heck, Rumpf, Mast, Steuerbord, Backbord - ist das nicht eh alles das Gleiche?

Aber hier bin ich jetzt, auf unserem kleinen 30 Fuß Boot, in unserem schwimmenden 9m x 3m Zuhause.

An Bord bei uns gibt es alles, was eine normale Wohnung auch zu bieten hat: ein Doppelbett, eine kleine Ecke für die Küche, einen Esstisch der von zwei Sitzbänken eingerahmt ist und ein mini Badezimmer, das es zwar nicht mal auf 1m² Größe geschafft hat, aber welches sich trotzdem ganz gut macht.

Neuerdings haben wir sogar auch eine eigene Dusche an Deck und ein kleines Kräuterbeet.

Und nicht zu vergessen, unsere Terrasse - das Cockpit.

Aber im Gegensatz zu einer 0815 Wohnung, sind wir so frei wie kein anderer. Wir können da leben, wo wir wollen und bleiben so lange an unseren Lieblingsorten, wie es uns gefällt. Wir können endlos reisen und sehen die schönsten Buchten.

Wir wachen jeden morgen mit der Sonne auf und schlafen jeden Abend mit Blick auf den Sternenhimmel ein.

Unser Wohnzimmer ist umringt vom Meer und zum surfen müssen wir eigentlich nur unser Brett schnappen und ins Wasser springen.

Jeden Morgen genieße ich meinen Kaffee mit einer leichten Meeresbriese um die Nase und spüre die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht.


Was zählt für mich im Leben?

Das Leben ist zu kurz für irgendwann!

Vor einem Jahr habe ich quasi meine 5-Zimmer Wohnung gegen einen Van getauscht und den Van dann gegen ein Segelboot.

Ich hatte die Nase voll, genau so zu sein wie alle es immer von mir erwarten. Ich war unzufrieden und nicht glücklich mit meiner beruflichen Laufbahn als angehende Lehrerin. Ich habe immer so einen unglaublichen Druck gespürt - den Druck, es allen recht machen zu wollen und ich hatte Angst andere zu enttäuschen. Ich war ziemlich viel allein und hatte zu viel Zeit zum Nachdenken...


Letztendlich habe ich mich dazu entschieden, einen anderen Weg zu wählen. Ich habe alles hingeschmissen und bin einfach drauf los, mitten ins Chaos rein.

Ich fühle mich jetzt so unglaublich frei und lebe mein Leben genau so, wie es sich für mich richtig anfühlt.

Natürlich ist es zudem auch noch eine riesen Erleichterung selbstständig zu sein. Mit einem normalen Job könnte ich niemals so viel reisen und auch auf einem Boot zu leben wäre einiges schwierigerer.

Ich habe keinen festen Ort, an dem ich zur Arbeit gehen muss und meine Stunden im Homeoffice kann ich mir frei einteilen. So passiert es aber natürlich auch schnell, dass ich an regnerischen Tagen mehr arbeite als an sonnigen Tagen.

Unser Alltag auf unserem Segelboot

"Marianne" ist unser 30 Fuß großes Segelboot (9 Meter), mit ihr stehen wir hier vor Anker und genießen unser Leben zu zweit an der Algarve, der Südküste Portugals.

Sobald wir an Bord unseres Bootes sind, ist die Welt da draußen vergessen. Wir leben hier in unserer eigenen, kleinen Welt, fast schon abgeschottet und isoliert.

Schon nach ein paar Tagen hat man das Gefühl, man ist Eins mit der Natur. Man spürt jeden Wind, jeden aufkommenden Sturm, genießt jeden Sonnenstrahl noch ein wenig mehr, verflucht jedes Boot, dass an uns vorbeirauscht und Wellen schlägt und unsere Gewürze aus den Regalen holt.

Ich liebe es, spontan über die Reling zu springen und mich einfach mal kurz im Meer abzukühlen. Ich liebe die Aussicht, sogar bei Regen sieht das Wasser wunderschön aus, wenn zigtausend Tropfen auf die Oberfläche prasseln und auch die Palmen vor meiner Haustür machen sich gar nicht so schlecht.


Aber ein Leben auf dem Boot hat gewiss nicht nur Vorteile. Es nervt mich, dass mein Kleiderschrank jetzt nur noch aus einer einzigen Schublade besteht und alle Klamotten immer eher etwas muffig riechen. Ich liebe frisch gewaschene, duftende und perfekt gefaltete Wäsche, die ihren Platz im Schrank haben...


Es ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich, dass man fließendes Wasser hat. Man pumpt das Wasser durch den Wasserhahn über die Fußpumpe hoch und ist der Wassertank (150liter) leer, dann paddelt man an Land und füllt ihn mit Kanistern wieder auf. Jeder Tropfen bedeutet also eine Menge Arbeit.

Gibt es keine Sonne, dann haben wir keinen Strom - da wir vor Anker stehen, können unsere Solarpaneele nur vernünftig laden, wenn auch gutes Wetter ist.

Plötzlich ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man in den Keller geht zum Wäsche waschen. Nein, man packt sich alles in einen riesen Rucksack, sucht sich den nächsten Waschsalon und danach wird schön alles übers Boot aufgehängt.

Und plötzlich ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man einen ruhigen Schlaf hat. Wer auf einem Boot lebt, muss ständig wachsam sein. Hält der Anker, wenn es stürmt oder treiben wir ab? Wenn es stark regnet, wird man vom Krach wachgehalten?

Auf einem Segelboot endet die Arbeit nie. Unsere Bordtoilette zum Beispiel war jetzt schon zweimal verstopft. Einer der vorherigen Häfen war so dreckig, dass all unsere Rohre mit kleinen, kriseligen Zeugs voll war – und natürlich noch einigen anderen Sachen. Da steckt man also ab und zu im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön in der Sch****.


Ben

Ben und ich haben uns auf Reisen kennengelernt. Es ist schön, jemanden an seiner Seite zu haben, der genauso verrückt ist wie man selbst, mit dem man so unglaublich viel Lachen und noch mehr träumen kann.

Wir leben beide dieses freie, außergewöhnliche Leben voller Abenteuer und wunderschönen Reisen.

Ben ist damals nach seinem Studium in Australien gemeinsam mit seinem Kumpel um die Welt gesegelt. Ich muss natürlich nicht extra erwähnen, dass er nicht mal segeln konnte, als er gestartet ist. Und sicherlich wundert ihr euch auch nicht, wenn ich euch erzähle, dass er statt seiner geplanten 9 Monate insgesamt 5 Jahre gebraucht hat, um von AUstralien nach Deutschland zu segeln. Aber er hat eine Menge erlebt, hat auf seiner Reise die verschiedensten Musiker aufgenommen und daraus ein Album gemacht. Sogar einen Kinofilm gibt es über sein tolles Projekt. (www.blownaway-movie.de)


Nach seiner Weltreise, war sein größter Wunsch immer, auf seinem kleinen Segelboot zu leben. Gemeinsam haben wir uns diesen Traum jetzt erfüllt.


Niemand weiß, was das Leben für einen bereithält.

Ich bekomm' in letzter Zeit immer mehr Nachrichten und Emails von euch, in denen ihr mich nach meinem Leben fragt. Ich hoffe, ich konnte vielen hiermit schon einmal einen kleinen Einblick verschaffen und konnte den Träumern unter euch, noch ein bisschen mehr Vorstellung davon geben, wie unser Leben aussieht. Und vielleicht auch den ein oder anderen ermutigen, weiter an seinen verrückten Zielen festzuhalten.

Auch wenn manchmal alles als riesengroßes Chaos beginnt, wenn man nur fest genug dran glaubt und hart genug daran arbeitet, all seinen Mut zusammen nimmt und sich ins Abenteuer stürzt, dann kann man alles erreichen, was man sich in den Kopf setzt.

Ob Vanlife oder Boatlife, ob ein wunderschönes Haus im Nachbardorf oder eine Penthouse Wohnung in der Innenstadt - egal welche Träume wir auch haben, das Wichtigste ist doch, dass wir nie aufhören dürfen zu Träumen...

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